Witzenhausen. Schon eine Stunde vor der Eröffnung Ende August standen die ersten Enthusiasten vor der Tür des Tropengewächshauses der Uni Kassel in Witzenhausen, denn dort hielten nicht nur die Goldene Königin und König Humbert Hof, sondern auch die Rote Zora und das Grüne Zebra. Und so klangvoll und fantastisch die Namen, so bunt, vielfältig und verführerisch war der Anblick der Johannisbeer-kleinen bis Grapefruit-großen Beeren, die in Österreich den schönen Namen „Paradeiser“ tragen. Tomaten (jawohl, die Früchte sind Beeren!) sind seit Jahren mit Abstand das Lieblingsgemüse der Deutschen, aber gerade die roten, runden Tomaten, die jeder aus dem Supermarkt kennt, fanden die geringste Beachtung auf dem Tomatentag.
Hier schwelgten die Tomatenfreunde allein am Stand von Melanie Grabner (www.lilatomate.de) in über hundert weißen, grünen, gelben, violetten, schwarzen, mehrfarbigen, gestreiften, tropfen- oder herzförmigen, zuckersüßen oder eher säuerlichen, aber immer aroma-intensiven Sorten. Ursula Reinhard vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) toppte diese gewaltige Auswahl sogar noch. Ebenso wie am Stand von Wolfgang Bloier und Ursula Heihoff vom Inselhof (Dietzenrode, www.inselhof.net) konnten alle Sorten dort verkostet und Anbau- und Verwendungsmöglichkeiten erfragt werden. Wer seine Lieblingssorte gefunden hatte, konnte bei Dreschflegel e.V. sofort das passende Saatgut der oftmals historischen Sorten erstehen und bei Dr. Bernd Horneburg vom ökologischen Freiland-Tomatenprojekt der Uni Göttingen direkt am Stand oder auch im Rahmen eines Vortrags aus erster Hand Informationen über neueste Züchtungsziele und -erfolge bekommen. Wer danach immer noch Wissensdurst verspürte, lernte bei der Filmvorführung „Tomaten zum Rotwerden“ noch allerhand dazu („waaaas, Tomaten können 800 Meter Wurzelwerk bilden?“), ließ sich von Dr. Andreas Butz (Uni Kassel) über Tomatenkrankheiten und Resistenzen schlau machen oder avancierte dank des Vortrags von Quirin Wember (Dreschflegel e.V.) über die „Sortenentwicklung im eigenen Garten“ selbst zum Züchtungsexperten.
Von HEIDI TRAEGER

